Talking Drums

Vierzig baugleiche Snaredrums hängen in Kopfhöhe an dünnen Stahlseilen, einzeln und an wiederkehrenden Wandpositionen der rhythmisierten Säulenanordnung der Architektur. Alle Trommeln resonieren den Klang von kurzen Kreidestrichen, ähnlich einem schnellen Schreibvorgang. In der gemeinsamen Interaktion entsteht eine stakkatoartige, aleatorische Dialogform, ein „Gespräch“ der Trommeln in unterschiedlichen Stimmungen, wobei die Geräuschkulisse permanent zwischen dem Originallaut der Aufnahme und dem typischen Resonanzklang einer Snaredrum wechselt.

Auf das hörbare Material bezogen und als eine Vorstellung von akustischer Zeichnung befindet sich eine Blättersammlung, aufbereitet als Buchobjekt und fest verbunden mit einem Sockel, im zentralen Bereich des Raumes.
Diese Zeichnungen, durchgängig auf der graphischen Grundform eines Kreises und im Durchmesser entsprechend der verwendeten Snardrums entwickelt, verstehe ich als Angebot über das Visuelle im Augenblick einer durch die verschiedenen Resonanzen verfügbaren und an diesem Ort hörbaren Geräuschwelt.

Meine Intention ist ein bewegliches Klangfeld, richtungsgebend im Raum. Eine große Anzahl von akustischen Quellen wird dabei so aktiviert, dass eine hörbare Addition ähnlicher Hörerscheinungen zu einer gemeinsamen Klangbewegung führt. Die Grundvorstellung ist das Zustandekommen einer sich anreichernden Geräuschwolke vom Einzelnen zu seiner schnellen Vervielfachung in einer immer neuen akustischen Bewegung. Neben diesen sich permanent einstellenden örtlichen Veränderungen und Richtungsorientierungen entsteht der semantische Effekt des Bedeutungswechsels des eben Gehörten, da die Rezeption des Einzelphänomens als etwas völlig anderes erscheint, als die sich schnell vollziehende Vervielfältigung in eine Hörrichtung: In der Bewegung mutiert das Geräusch.

Die Bewegungsrichtungen der sich aufbauenden Geräuschaktionen sind komponiert und durchmessen die räumliche Hülle in ihrer gesamten Ausdehnung. Sowohl die Geschwindigkeit der hörbaren Addition der Geräusche im Raum wie auch deren Lautstärke variieren in unterschiedlichen Abläufen.

In diesem Sinne kann der Hörprozess jederzeit begonnen oder beendet werden. Es existiert kein kompositioneller Anfang und kein Ende.

 

Talking Drums (2008)

Singuhr Hörgalerie, Kleiner Wasserspeicher, Berlin 2008

Fotos: Roman März

 

Der Player wird mit Javascript gestartet - bitte aktivieren.