Stocktrommeln – Musik am Meer

Auf Lautsprechern, die wie niedrige Sockel oder Stützen wirken, liegen runde Fotoscheiben.

Jedes Bild zeigt die Berührung einer unter Spannung extrem gebogenen Stockspitze auf unterschiedlichen Bodenstrukturen (Pflasterungen, Asphalt, Natursteine, Beton) der Küstenschutzmaßnahmen.

Um die Fotos aus der Nähe sehen zu können, bewegt sich der hörende Betrachter zwischen den Klangquellen und praktiziert damit ein räumliches Hören, da alle Klangquellen gleichzeitig arbeiten. Durch Nähe und Ferne zum Wahrnehmungsgegenstand ergeben sich für den Hörer permanent veränderte rhythmische Dominanzen. Die Gesamtlautstärke ist diesem Vorgang angepasst und gerade so laut, dass die Installation als Klangfeld gehört werden kann.

Meine Vorstellung ist es, nicht einfach vom natürlichen Material ausgehend (irgendwo von den Stürmen zerstörte Faschinen, das sind eingeflochtene Fichtenäste, die dann lange im Wasser treiben und irgendwo an Land kommen) eine ökologische Notwendigkeit als ästhetische Übersetzung zu schaffen, sondern mit den Eigenschaften des verwendeten Materials selbst umzugehen (Gebogenheit, Flexibilität, Geräuscherzeugung). Obwohl es sich um dünne Äste handelt, ist das Meer Gegenstand meiner Betrachtung. Das Treibholz hat in diesem Zusammenhang einen hinweisenden Charakter auf etwas unausweichlich Ankommendes, mit dem und durch das Meer. Das Meer rauscht manchmal, oder es donnert und bringt einiges von dem zurück, was hineingeworfen wurde (die sichtbaren Dinge).

Die runden Fotos auf den Lautsprechern zeigen die Oberflächenstrukturen der Orte, an denen ich die Stöcke gefunden habe. Optisch berührt eine Stockspitze eine Oberfläche. Akustisch trommelt eine Stockspitze auf einer Oberfläche. Alle runden Klangquellen zusammen ergeben eine Musik, ähnlich einem polyrhythmischen Crescendo aller Stocktrommeln am Meer.

 

Stocktrommeln – Musik am Meer (1989)

250 gebogene und astlose Fichtenstangen, 14 kreisförmige Fotos, Kabel, 14-kanalige Komposition, Zuspieltechnik

Ressource Kunst, Die Elemente neu gesehen.
Akademie der Künste, Berlin 1989
Stadtgalerie Saarbrücken, Saarbrücken 1989
Lothringer Strasse, München 1989
Palace of Exhibitions, Mücsarnok, Budapest 1990

Foto: Tom Gundelwein