Im Halbkreis

Im Eingangsbereich zum Großen Garten in Herrenhausen befindet sich eine imposante halbkreisförmige Mauer, der sogenannte Ehrenhof. Die sich zum Innern des Parks hin öffnende Form steht exakt auf der achsialen Ausrichtung des gesamten Barockgartens.

Im Verlauf des Bauwerks wiederholen sich dreißig Mauernischen, je fünfzehn auf jeder Seite, wobei jede zweite mit einer identischen Bepflanzung dekoriert ist. Die verbleibenden Hohlräume in der Mauer bilden die spiegelbildliche Anordnung von installierten weißen Klangquellen, die ihre Schallimpulse auf den Innenraum aussenden.

Die serielle bildhafte Anmutung des Bauwerks wird durch meine Komposition zitiert aber nicht übersetzt. Es handelt sich um die von vibrierenden Steinen auf Saiten aufgezeichneten Ereignisse, clusterartig, arhythmisch und nur von der individuellen Schwingungsfähigkeit des Steins bestimmt.

Dieser identische Schallimpuls, als vierzehnkanalige Addition in den Wandnischen hörbar, bildet permanent einen zufällig pulsierenden und obertonreichen Gesamtklang mit kontinuierlichen Variationen in seiner Dichte und seinem Volumen. Der entstehende Klangraum wirkt sogartig. Sein schwebender Charakter zerfällt beim Eintreten in den Halbkreis in einen unvorhersehbaren Dialog desselben Klanges aus immer wechselnden Richtungen.

 

Im Halbkreis (1995)

14 baugleiche Lautsprecher, weiße Folie, weiße Kabel, 14-kanalige Komposition, Zuspieltechnik

Herrenhäuser Gärten / Ehrenhof, Sound Art, Hannover 1995

Foto: Kay-Uwe Rosseburg