HörMal

Bei einem meiner ersten Besuche in Völksen fiel mir im angrenzenden Park ein besonderer Ort auf. Am Höhenrand, oberhalb eines abfallenden Geländes, stand ich plötzlich und überraschend übergangslos in einer sehr artifiziellen Hörsituation. Die Geräusche des Straßenverkehrs von einer Bundesstraße schallten zu mir hoch und vermischten sich mit allen, in diesem Moment existierenden Naturgeräuschen an diesem Ort. Die akustische Situation war so gegensätzlich und gleichzeitig ergänzend, dass bei mir ein augenblickliches Zuhören, ein Musikalisieren aller Ereignisse einsetzte. 

Die Eigenschaft des Straßenverkehrs, wie eine akustische Addition aller in einem Moment hörbaren Verkehrsteilnehmer, wandelte sich an diesem Ort zu einem lang gezogenen Rauschen, gleichzeitig statisch aus einer Richtung, ähnlich einem einzelnen zentrierten Ton und ebenso in singuläre Vorkommnisse zerfallend und in mehrere Richtungen strebend. 

Die Naturgeräusche in meiner Nähe schienen in der Gleichzeitigkeit der hörbaren Abläufe dieses von weiter her kommende Rauschen musikalisch zu akzentuieren, wie eine Art zufälliges Zusammenspiel. Meine unmittelbar einsetzende Rezeption war die eines Musikstücks.

Ulrich Eller bei der ersten Hörprobe seiner permanenten Klangskulptur „Hörmal“ im Park des Hermannshofs, Springe-Völksen 2009. (Foto: Eckhart Liss)

Dieses Reale, augenblicklich Existierende, für einen Hörmoment entstehen zu lassen wurde zur Intention. Es entstand die Vorstellung eines festen Ortes, im Sinne einer Benutzerskulptur, also eines Angebotes, bei dem mit geringster Aktivität ein überraschend vielfältiger Moment der Dichte erlebbar werden kann. Es entstand die nahe liegende Lösung einen Sitzplatz, vielleicht als Bank, auch für mehrere Personen zu entwerfen, der genau dies ermöglicht:

einen Ort im akustischen Raum von fernen und nahen Zivilisations- und Naturgeräuschen, die von der Skulptur hörbar verdichtet werden und gleichzeitig eine permanente Komposition, ganz nah und aus dem Innern der Wandung des Körpers ausgehend. 

Sitzend und lauschend werden so die unterschiedlichen Zeitabläufe von Zufall und Komposition innerhalb eines gleichzeitigen akustischen Klangraumes erfahrbar.

 

HörMal (2009)

Wandung aus Edelstahllochblechen und Lamellenblechen, integrierte Lautsprecher, 12-kanalige Komposition, Zuspieltechnik, Sitzbank 

permanente Klangskulptur für eine Parklandschaft, Hermannshof, Völksen 2009